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Promille statt PS

Die Cantine Ferrari auf Erfolgskurs.

Text von Helga Baumgärtel    Foto beigestellt

In riesigen blassgoldenen Lettern steht kurz vor Trient am Rande der Autostrada der Name „Ferrari“ in die liebliche Weinlandschaft geschrieben. Hoppla, denkt sich der Formel-1-Kundige, sollten Sebastian Vettel und Kimi Räik-könen ihre Trainingsstrecke von Maranello nach Südtirol verlegt haben?

„Nein“, lacht Matteo Lunelli, Präsident der Cantine Ferrari, „wir sind weder verwandt noch verschwägert mit Enzo Ferrari. Übrigens ist der Name Ferrari bei uns ungefähr so häufig wie bei euch Huber, Meier oder Müller!“

In der internationalen Weinwelt allerdings ist der Name Ferrari einmalig. Als Bürge für den  Spitzen-Spumante schlechthin,  der als „expression of Italian life style“ bei der Oscar-Verleihung genauso ausgeschenkt wird – siehe Andy Warhol, Charlton Heston und Roger Moore – wie bei allen Staatsempfängen mit der Queen, mit Ronald Reagan, mit Gorbatschow, Mitterrand und Putin. Die übrigens in toto beim Entrée von der geschichtsträchtigen Fotowand den staunenden Besucher anvisieren.

Aber vielleicht sollte ich einmal kurz zurückblenden, um zu verstehen, dass Ferrari-Spumante wenig mit unserem Prosecco-Gusto diesseits des Brenners zu tun hat.

Vor über einhundert Jahren hatte sich ein gewisser Giulio Ferrari aus Trient in die berühmte französische Weinbauschule von Montpellier eingeschrieben. Weil er fand, dass die Hügellagen seiner Heimat sich hervorragend eignen würden für Chardonnay und Pinot Noir – den Ingredienzen des Champagner.

Und so wurde anno 1902 nicht der Grundstein, aber die Wurzeln gelegt für das Unternehmen, das dann, da Ferrari kinderlos war, 1952 an die Familie Lunelli ging. Und vier Lunellis teilen heute in dritter Generation „die Leidenschaft für Ferrari“, wie es Matteo formuliert.

Wir sind abgezweigt in „Trento Sud“ zu dem faszinierenden Imperium von Ferrari.  Schon im Verkaufsraum der Cantine steht man verblüfft vor dem weiteren Lunelli-Firmenbesitz, der sich über die Weinregionen von halb Italien erstreckt: vom Veneto über Umbrien bis hin zur Toskana. Plus einer der ältesten Grappa-Destillationen: „Segnana“ mit jährlich 250.000 Flaschen. Und dann hinab in das Keller-Labyrinth, wo 20 Millionen Bouteillen heranreifen! Puuuh – man ist geradezu erschlagen von so viel köstlichem Stoff! Also rein in den Verkostungsraum, um endlich die durstigen Geschmackspapillen zu befeuchten. Und, weil es ein heißer Junitag war, habe ich wohl doch – natürlich versehentlich – etliche Tropfen die Kehle herunterfließen lassen. Denn anschließend bin ich reichlich beschwingt durch die Weinberge geklettert. Rauf zu einem historischen Juwel aus dem XVI. Jahrhundert, der Villa Margon mit seiner Locanda.

Dort haben die Lunellis wahrlich ein kulinarisches Highlight hingezaubert. Witzig gemacht, denn der Gast kann quasi zwischen zwei Restaurants wählen. Das erste heißt Veranda und bietet eine Art Business Lunch an. Das zweite heißt Salotto Gourmet und ist wiederum einmal den innovativen Lunellis zu verdanken: Der Gast kann einen Wein wählen, zu welchem der Küchenchef ad hoc ein Gericht „komponiert“. Oder das „Wein-Menü“, das von internationalen Weinen aus der Privatschatulle der Lunellis begleitet wird.

O. k. Und wer zelebriert das alles? Seit April 2010 ein gebürtiger Trentiner namens Alfio Ghezzi, der immerhin Souschef beim berühmten Gualtiero Marchesi sowie bei Andrea Berton im Trussardi der Mailänder Scala war. Ein ideensprühender Feuerkopf! Köstlich sein „Riso mantecato al Trentingana“, ein Risotto mit Käse aus Trient, Honig und Thymian. Oder seine „Strangolapreti“ – wörtlich „Priesterwürger“ –, das klassische Nudelgericht aus der Region.
Und am Ende dieses Gourmet- oder besser Gourmand-Tages war ich dann froh, dass die Lunellis „Surgiva“ als jüngste Errungenschaft in die internationalen Gastronomie (und auf meinen Gaumen) gebracht haben, ein sanftes Mineralwasser aus einem Naturpark der Dolomiten.

Und wohin, bittschön, kann ich nun mein weinschweres Haupt legen? Sehr zu empfehlen ist direkt im Herzen von Trient das „Grand Hotel Trento“ an der Piazza Dante mit einem riesigen Wellnessbereich und nur in Rufweite von Museen und Castelli entfernt.

Unbedingt einen Besuch wert ist übrigens das älteste Restaurant von Trient – aus dem Jahr 1345! – das Ristorante al Vò. Alle heimischen Köstlichkeiten aus der Region Vallagarina werden hier zubereitet: Beginnend mit dem Käse des Monte Baldo, den Kastanien von Castione, dem lokalen Speck, den Honigsorten und dem Sugo di Orso.

Und auch da haben die Lunellis wieder eine Marktlücke entdeckt: Alle regionalen Produkte kann man in der „Gastronomia Lunelli“ in der Via Mazzini, 45 kaufen.

Provinz Trentino-Südtirol – das klingt in meinen Ohren wie Musik. Es ist Sommerzeit. Und tatsächlich können wir Urlauber hier noch eine Menge Historisches/Vergnügliches/Vinologisches entdecken: Ein zoologisches Wunderland ist der „Parco Naturale Adamello Brenta“. Mit 620 Quadratkilometern das größte Naturschutzgebiet der Region. Sämtliche Tierarten des Alpenraumes, von Mufflon, Hirsch und Steinbock bis zu Wolf, Luchs und Wiesel kann man – geführt – erleben. Plus dem Symbol des Parks – den Braunbären.

Das absolute  MUST der Region aber ist Rovereto. Eine Stadt voller Historie. Eine Verbindung der Kulturen diessseits und jenseits des Brenners. Berühmt das MART, ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst mit über 30.000 Werken.

Und oberhalb von Rovereto, auf dem Colle di Miravalle läutet die „Friedensglocke“. Mit 3,36 Meter Höhe und 22 Tonnen Gewicht die größte der Welt. 1924 wurde sie aus Kanonen der am Ersten Weltkrieg beteiligten Nationen gegossen und mahnt nun mit 100 Schlägen jeden Abend zum Frieden.

Es war übrigens in Rovereto, anno 1769, dass Wolfgang Amadeus Mozart seine ersten Konzerte in Italien gab. Im Hause des Baron Todeschi. Und dort selbst wurde ihm der berühmte rubinrote Marzemino-Wein kredenzt. Mozart war zwar erst 13 Jahre alt. Aber der Wein hatte ihm offensichtlich so gut geschmeckt, dass er fast 20 Jahre später in „Don Giovanni“ seinen Starbariton erschallen lässt: „Exzellenter Marzemino!“
Und diesen gibt es heute noch in der wohl besten Weinhandlung von Trient, in der „Enoteca Grado 12“, Via Largo Carducci, 12.

Alsdann: Salute und schöne Ferien!

Cantine Ferrari
www.cantineferrari.it

Ghezzi
Menü-Variationen
www.locandamargon.it
So. und Di. geschlossen

Grand Hotel Trento
Wohnen in der Stadt
www.grandhoteltrento.com

Ristorante al Vò
Regionale Spezialitäten
www.ristorantealvo.it

Lunelli
Feinkostladen
www.lunelli.it

Adamello Brenta
Der Alpenzoo
www.pnab.it

MART
Kunstmuseum in Rovereto
www.mart.trento.it