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Mekka des Weintourismus

Feinschmecker und Weinfreaks werden in jedem Herbst vom Piemont beinahe magisch angezogen. Wir haben die besten Adressen.  

Text von Willi Klinger

Vor einigen Jahren sagte ein ziemlich rustikaler Sektionschef im Landwirtschaftsministerium in kleiner Runde: „Weintourismus, wos is des? I glaub’ net, dass’s an Weintourismus gibt.“ Nun, dieser Herr könnte sich im heurigen Herbst am besten im Piemont von der Existenz dieser ertragreichen Sparte persönlich überzeugen. Zeit hätte er ja, denn er ist mittlerweile in Pension.

Vorbei sind die Zeiten, als die immer zahlreicheren Insider, die in den achtziger Jahren die Hügel der Langhe 70 km südlich von Turin besuchten, sich in der Trüffelzeit im Herbst um die wenigen verfügbaren Quartiere stritten. Das Angebot an gut ausgestatteten Hotels und Agriturismi ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert, und weil es immer mehr Herbergen mit Swimmingpools gibt, kommt auch der Frühlings- und Sommertourismus auf Touren. Dass 29 Gemeinden der Provinzen Alessandria, Asti und Cuneo seit 2014 UNESCO-Welterbe Status bekommen haben, wirkt als zusätzlicher Katalysator.

Trotz des großen Angebots an Unterkünften und Schlemmeradressen sollte man die Gegend um Alba in den ersten drei Wochen der Trüffelmesse (heuer 10. Oktober bis 15. November) wenn möglich eher meiden oder in die Alta Langa, ins Roero oder ins Monferrat ausweichen. Die echten Trüffelnasen bevorzugen die weißen Knollen der Spezies „Tuber Magnatum Pico“ – nur das ist das Original – ohnehin erst ab November. In milden Wintern kommen sie sogar noch nach Weihnachten in Spitzenqualität auf den Markt, dafür aber zum halben Preis – schön für das Silvestermenü! Besonders schön sind die Langhe auch im Frühling.

Die Sternerestaurants

Fünfzehn Restaurants in den Provinzen Asti und Cuneo wurden im Michelin Italien 2015 mit mindestens einem Stern ausgezeichnet. Mit der Höchstwertung von drei Sternen führt nach wie Enrico Crippas Piazza Duomo im Zentrum von Alba die Liste der Top-Adressen an. Gualtiero Marchesis Musterschüler beherrscht zwar auch das Lokalrepertoire perfekt, aber drei Sterne bekam er für seine moderne, da und dort auch asiatisch inspirierte kreative Küche. Das Lokal ist kühl und puristisch gestylt, hat nur wenige Tische und befindet sich im ersten Stock eines Stadtpalais im Besitz der Winzerfamilie Ceretto. Lockerer geht es im Bistro La Piola unten an der Piazza zu.

Erster Herausforderer von Crippa ist Giampiero
Vivalda von der Antica Corona Reale in Cervere bei Bra mit zwei Sternen, allerdings mit einer viel ländlicheren Art zu Kochen: bodenständig und doch kreativ, wobei der omnipräsente Vater Renzo mit seinen 85 Lenzen am Buckel immer noch vier Klassiker der Karte selbst zubereitet: Schnecken („lumache“), Frösche („rane“), Kutteln („trippa“) und das klassische Innereien-Ragout „Finanziera“. Die Corona, seit über 200 Jahren im Familienbesitz, ist eine legendärer Herberge, in die schon König Viktor Emmanuel III. nach der Drosseljagd mit Renzos Großvater einzukehren pflegte.

Bei Davide Palluda in der All’Enoteca in Canale geriet kürzlich auch ein Großer ins Schwärmen, nämlich René Redzepi vom Noma in Kopenhagen. Ich finde vor allem seine in der Serviette servierten Agnolotti-Variationen ohne Sugo allein eine Reise wert.

Die beste Weinkarte mit Vertikalen aller großen Weine der Langhe und auch einem internationalen Repertoire à la Palais Coburg bietet mein alter Freund Mauriglio Garola in seinem La Ciau del Tornavento in Treiso. Für seine Küche hält er seit Jahren einen Michelin-Stern, außerdem ist die Aussicht von der Terrasse atemberaubend.

Etwas ruhiger wurde es um Walter Ferretto im Cascinale Nuovo in Isola d’Asti, das für mich aber immer noch zur absoluten Spitze zählt, weil Walters Küche gleichzeitig elegant und doch herzhaft ist – eigentlich ein schönes Relikt der Nouvelle Cuisine im besten Sinn.

Die Familie Alciati, deren Stammhaus Guido in Costigliole längst nicht mehr existiert, hat auch in Pollenzo an der Corte Albertina geschlossen. Dafür betreiben die drei Brüder neben dem Guido da Costigiliole im Hotel „Relais San Maurizio“ hoch über Santo Stefano Belbo seit 2014 das Ristorante Guido im ehemals königlichen Weingut Fontanafredda. Das riesige Anwesen wurde 2008 von „Eataly“-Gründer Oscar Farinetti von der ältesten Bank Italiens, „Monte die Paschi di Siena“, übernommen, die es davor über 80 Jahre lang besessen hatte. Nach zwei Jahren Umbauzeit entstand im alten königlichen Gemäuer ein wunderschönes Lokal mit gepflegtem Service unter der Leitung von Piero Alciati und einer interessanten Karte inklusive Agnolotti del Plin nach dem Originalrezept seiner 2010 verstorbenen Mutter Lidia.

Ins Weingut Damigliano unterhalb von La Morra an der Straße von Barolo nach Alba hat Altmeister Massimo Camia sein ehemaliges Borgo Antico übersiedelt. Massimo ist einer der Großen im Barolo Gebiet, aber beim letzten Besuch heuer im Sommer kam keine rechte Stimmung auf. Vielleicht lag es auch an den furchtbaren Batman-Bildern einer malenden Lokalgröße, die die Wände des ansonsten eher nüchternen Baus bevölkerten.

Architektur kann im Piemont eben auch als gefährliche Drohung verstanden werden. Zum Beispiel im „Boscareto Resort“ bei Serralunga. Was von außen wie eine Kreuzung von Autobahnraststätte und Krankenkassen-Kurheim aussieht, entpuppt sich im Inneren als komfortable Bleibe mit geräumigen Zimmern und allen Einrichtungen eines 5-Sterne Luxusresorts inklusive Gourmetrestaurant, und das mitten in einem Amphitheater spektakulärer Weinberge. Wer es etwas weniger bombastisch möchte, kann in der neuen „Villa d’Amelia“ in Benevello einchecken, einem romantischen Small-Luxury-Hotel mit Restaurant, wo Enrico Crippas Ex-Souschef Damiano Nigro bereits seinen ersten Stern erkämpft hat.

Die lässigen Trattorien

Man fährt aber nicht ins Piemont, um ständig Sterneküche zu essen und sich in Luxusresorts massieren zu lassen. Urtümlicher, authentischer und gemütlicher tafelt man in den lässigen Trattorien der Langhe. Die traditionellen Klassiker sind wie eh und je das Antica Torre in Barbares-co, seit Jahrzehnten bekannt für die besten Tajarin-Nudeln, der Preis-Leistungs-Sieger Grappolo d’Oro in Monforte – ideal auch für größere Gruppen, Da Renza mit dem herrlichen Balkon in Castglione Falletto und die Slow Food Osteria dell Arco in Alba. Für Alba gilt auch: Köche kommen, Köche gehen, die Osteria La Libera bleibt bestehen. Das heißt, man bekommt dort immer noch das beste knusprige Spanferkel („maialino croccante“), obwohl der langjährige Chef längst seine eigene winzige Trattoria La Repubblica di Perno bei Monforte aufgesperrt hat, während der Rest des alten Teams seit kurzem die herrliche Osteria Veglio in der Frazione Annunziata bei La Morra zu neuem Leben erweckt. La Morra hat übrigens sehr gewonnen, obwohl die wunderbare Familie Bovio das legendäre „Belvedere“ oben auf dem schönsten Aussichtspunkt der Weinwelt abgeben musste. Dafür haben sie im ehemaligen Bel Sit etwas unterhalb des Ortes eine neue Bleibe gefunden und sie Ristorante Bovio genannt. Der Ort hat jetzt auch ein tolles Angebot an Zimmern: „Villa Katerina“, „Corte Gondina“ oder luxuriös im Resort „Arborina Relais“.

Kürzlich schickte ich wieder einmal ein paar Freunde zu Cesare, wo wir letztes Jahr so herrlich gegessen hatten – ein Reinfall, wie mir berichtet wurde. Dabei hatte ich das Menü ausgesucht: Seinen legendären Entensalat mit Fruchtsauce, die Pfirsiche mit Steinpilzen à la Willsberger und das Capretto vom offenen Kamin in der Stube. Ich fahre sicher wieder hin, aber Freunde nehme ich nur mehr mit, wenn ich dabei bin. Ansonsten ist es besser, sie gehen gleich in die Trattoria La Coccinella in Serravalle zu den drei Brüdern Demaio, wo in letzter Zeit alle begeistert waren, die ich hingeschickt habe. Gute Unterkünfte in der Gegend sind die Trattoria del Bivio (dort gibt es auch Tajarin, so gut wie in der Antica Torre), die luxuriösen Relais Le Due Matote, Corte di Lequio oder Ca’del Lupo.

In Monforte schläft man entweder in der „Villa Beccaris“ (oder ihrer Dependance „Anfiteatro Appartments“ etwas außerhalb) oder bei Altmeister Nino Rocca im Felicin, der zusammen mit der immer noch sehr guten La Posta, die die Flagge der traditionellen Feinschmeckeradressen in Monforte seit Jahrzehnten hochhält.

Drei Geheimtipps zum Schluss

Erstens. 45 Jahrgänge hat Guido Rivella bei Gaja vinifiziert ehe er kürzlich in Pension ging und mit seiner Tochter Silvia das kleine Familiengut in der Barbaresco-Spitzenlage „Montestefano“ zu einem netten Agriturismo umgebaut hat. Darunter lagern in mehreren Kellerräumen seine herrlichen Barbareschi, die er zu Preisen verkauft, von denen man angesichts der letzten Entwicklungen nur träumen kann.

Zweitens. Ich muss sie vor der „Vinoteca Centro Storico“ in Serralunga warnen. Der Wirt Alessio hat jene Weine aus der Gegend und der Welt (inklusive Österreich), für die man beim Lunch bis zum Dinner hängenbleibt. Dazu gibt es wunderbare Kleinigkeiten und eine Atmosphäre, die zum Versumpfen nachgerade verführt.

Drittens. Die Via Maes-tra in Alba, die eigentlich Via Vittorio Emanuele heißt, verläuft von der Bar Brasilera meines Freundes Giorgio Graziano an der Piazza Savona bis zum Domplatz. Unter den zahlreichen Geschäften empfehle ich die Enoteca „Confetteria Carosso“. Dort kaufe ich immer die hauchdünnen Tajarin d’Autore des Meisters Marco Giacosa und die Torta di Nocciole der Marke Relanghe nach dem Rezept von Enrico Crippa. Und weil ich in Alba in der Regel den besten Torrone, nämlich den von Davide Barbero aus Asti, nicht finde, nehme ich auch gleich den von Relanghe. Aus dem mache ich zu Hause Semifreddo al Torrone, nach dem Rezept des Restaurants Contea in Neive.

Alba
Ristorante Piazza Duomo
Piazza Risorgimento, 4
12051 Alba CN
Tel.: +39/0173/36 61 67
www.piazzaduomoalba.it

Osteria Lalibera
Via Elvio Pertinace, 24
12051 Alba CN
Tel.: +39/0173/29 31 55
www.lalibera.com

Albaretto Torre
Trattoria del Bivio
Loc Cavallotti, 9
12050 Cerreto Langhe CN
Tel.: +39/0173/52 03 83
www.trattoriadelbivio.it

Barbaresco
Antica Torre
Via Torino, 71, Barbaresco CN
Tel.: +39/0173/63 51 70
anticatorrebarbaresco.com

Benevello
Relais Villa Amelia
Fraz. Manera
12050 Benevello, CN
Tel.: +39/0173/52 92 25
www.villadamelia.com

Canale
All’Enoteca
Via Roma, 57
12043 Canale CN
Tel.: +39/0173/958 57
www.davidepalluda.it

Cervere
Antica Corona
Reale da Renzo
Via Fossano, 13
12040 Cervere CN
Tel.: +39/0172/47 41 32
www.anticacoronareale.com

Isola d’Asti
Il Cascinalenuovo
Strada Statale 231, 15 14057 Isola d’Asti AT
Tel.: +39/0141/95 81 66
www.walterferretto.com

La Morra
Ristorante Bovio
Via Alba, 17
12064 La Morra CN
Tel.: +39/0173/59 03 03
www.ristorantebovio.it

Massimo Camia
Strada Provinciale Alba Barolo 122
12064 La Morra CN
Tel.: +39/0173/563 55
www.massimocamia.it

Osteria Veglio
Frazione Annunziata, 9 12064 La Morra CN
Tel.: +39/0173/50 93 41
www.osteriaveglio.it

Arborina Relais
Frazione Annunziata, 27 12064, La Morra CN
Tel.: +39/0173/50 03 51
www.arborinarelais.it

Corte Gondina
Via Roma 100, 12064
La Morra CN
Tel.: +39/0173/50 97 81
www.cortegondina.it

Monforte
Giardino da Felicin
Via D.Vallada, 18
12065 Monforte d’Alba CN
Tel.: +39/0173/782 25
www.felicin.it

Grappolo d’Oro
Piazza Umberto I 4
12065 Monforte d’Alba CN
Tel.: +39/0173/782 93
www.grappolodoro.net

Trattoria della Posta
Loc. Sant’Anna, 87
12065 Monforte d’Alba CN
Tel.: +39/0173/781 20
www.trattoriadellaposta.it

Montelupo
Ca’ del Lupo
Via Ballerina, 15, 12050 Montelupo Albese CN
Tel.: +39/0173/61 70 45
www.cadellupo.it

Perno
Ristorante Repubblica
di Perno
Vicolo Cavour, 5 – Fraz.
Perno 12065 Monforte d’Alba
Tel.: +39/0173/784 92
www.repubblicadiperno.it

Santo Stefano Belbo
Guido da Costigliole
Loc S. Maurizio, 39
Santo Stefano Belbo CN
Tel.: +39/0141/84 44 55
www.guidosanmaurizio.com

Serravalle
La Coccinella
Via Provinciale A3, 5
12050 Serravalle Langhe CN
Tel.: +39/0173/74 82 20
www.trattoriacoccinella.com

Serralunga
Guido Ristorante
Via Alba, 15
Serralunga d’Alba CN
Tel.: +39/0173/62 61 62
www.guidoristorante.it

Il Boscareto Resort
Via Roddino, 21
12050 Serralunga d’Alba CN
Tel.: +39/0173/61 30 36
www.ilboscaretoresort.it

Locanda del Centro Storico
V. Roma 6
12050 Serralunga d’Alba
Tel.: +39/0173/61 32 03

Treiso
La Ciau del Tornavento
Piazza Leopoldo Baracco, 7 12050 Treiso CN
Tel.: +39/0173/63 83 33
www.laciaudeltornavento.it