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Genuss & Wertanlage

Bordeaux 2011 ist ein völlig unterschätzter Jahrgang

Text von Willi Balanjuk   Foto: www.bridgemanart.com

Nach den Jahrhundert-Jahrgängen 2009 und 2010 hatte der Jahrgang 2011 ein schlechtes Image. Die Vegetation spielte in diesem Jahr verrückt. Früher Austrieb und enorm warmes Wetter mit schnellem Wachstum und Trockenstress standen am Beginn der Vegetation. Im Juni gab es teilweise Hagel. Der Sommer brachte Aprilwetter mit enormen Herausforderungen an den Pflanzenschutz. Im Herbst dann ein feucht-schwüles Wetter, daher nicht gerade einfache Lesebedingungen. All das gab und gibt es in Bordeaux schon öfter. Daher sind die Winzer mit diesen Herausforderungen vertraut. Die größte Problematik war die wirtschaftliche Situation nach den extremen Hochpreis-Jahrgängen 2009 und 2010. Wobei diese extremen Preisschwankungen nur rund vierzig Weingüter im Bordeaux betreffen. Die Subskription verlief schwierig, da die Châteaus die Preise zwar zwischen 25 und 40 % gesenkt haben, aber nicht dazu gesagt wurde, dass 2010 „All Time High“-Preise erzielt wurden und man für 1er Grand Cru Classé um die 1.000 Euro zahlen „durfte“. Verglichen wurde der Jahrgang 2011 mit 2008, und daher stand mehr die Preis-Diskussion als die Qualität im Vordergrund.
 
Beim Verkosten der Weine nach der Arrivage – dem Ausliefern der Wein, die seit ungefähr sechs Monaten laufend auf den Markt kommen – wurde die Mehrheit der topbewerteten Weine aus der Flasche mehrmals blind verkostet und bei manchen Proben im Vergleich zu 2010 bzw. 2009 degustiert. Nach diesen Proben kann man den Jahrgang vielleicht nach wie vor als zu teuer ansehen, aber die Qualität der besten Weine ist außergewöhnlich.

Die Spitzenweine wie Cheval Blanc, Ausone, Latour (der letzte Jahrgang, der in der Subskription angeboten wurde), Margaux, Vieux Château Certan sind in jeder Hinsicht große Weine. Die weißen Bordeaux 2011 galten von Beginn an als sensationell. Die Süßweine aus Sauternes und Barsac sind mit 1997 und 2001 die konzentriertesten und sind wahrscheinlich zeitlose Schönheiten. 

Als Resümee der Verkostungen kann man weder linkes noch rechtes Ufer bevorzugen. Die jeweiligen Weine der besten Terroirs sprechen für sich. Einige sehr positive Überraschungen gibt es, wobei die meisten der hochbewerteten Weine leider zu diesen vierzig bis fünfzig Sammlerstücken zählen und daher nicht die günstigsten sind. Einige der günstigeren Weine können qualitativ als echte Highlights angesehen werden und sind als die besten Preis-Leistungs-Weine der Verkostung gekennzeichnet.

Die Besten vom rechten Ufer:
Merlot & Cabernet Franc betonte Weine
2011 Cheval Blanc       96 Pkt
2011 Château Ausone       96 Pkt
2011 Le Dôme       94 Pkt
2011 L’Eglise-Clinet      94 Pkt
2011 Vieux Château Certan      94 Pkt
2011 Pavie       94 Pkt
2011 Bélair-Monange       93 Pkt
2011 Trotanoy      93 Pkt
2011 Tertre Roteboeuf      93 Pkt
2011 La Fleur-Pétrus      93 Pkt
2011 Beauséjour Duffau-Lagarrosse      93 Pkt
2011 Figeac      93 Pkt
2011 Les Astéries, J. M. Malthus     92 Pkt
2011 Clinet      92 Pkt
2011 Roc de Cambes     92 Pkt
2011 Canon-La Gaffelière     92 Pkt

2011 Magdelaine – letzter Jahrgang, eleganter Wein     91 Pkt
Ein emotionaler Wein: Château Magdelaine, eines meiner Lieblingsweingüter, präsentierte den letzten Jahrgang, da mit 2012 die Flächen gemeinsam mit Château Bélair-Monange gekeltert werden.

Château Petrus, Château Lafleur und Château Le Pin wurden bei der Primeur Probe mit 94 bis 96 Punkten bewertet, aber leider nicht aus Flasche gekostet.

Die Besten vom linken Ufer:
Cabernet Sauvignon betonte Weine
2011 Latour        96 Pkt
2011 Margaux       96 Pkt
2011 Haut-Brion       94 Pkt
2011 Mouton Rothschild      93 Pkt
2011 Ducru-Beaucaillou      93 Pkt
2011 Palmer      93 Pkt
2011 Léoville-Poyferré     93 Pkt
2011 Pontet-Canet      93 Pkt
2011 Pape-Clément     93 Pkt
2011 Cos d’Estournel       93 Pkt
2011 Rauzan-Ségla       93 Pkt
2011 Pichon-Longueville-Baron      93 Pkt
2011 Haut-Bailly      92–93 Pkt
2011 Calon-Ségur      92–93 Pkt
2011 Lynch-Bages       92–93 Pkt
2011 Léoville-Barton

Château Lafite, Château La Mission Haut-Brion, Château Léoville-las-Cases und Château Pichon-Longueville-Baron haben bei der En Primeur Probe überzeugt, wurden aber leider noch nicht aus der Flasche verkostet.

Die besten Preis-Leistungs-Weine rot  
2011 Domaine de Chevalier        92–93 Pkt
2011 Malescot Saint-Exupéry       92 Pkt
2011 Giscours       92 Pkt
2011 Laforge       92 Pkt
2011 Belgrave      90 Pkt
2011 Teyssier      90 Pkt
2011 Le Boscq     90 Pkt

Die besten Weißweine 2011
2011 Haut-Brion       96 Pkt
2011 Domaine de Chevalier      95 Pkt
2011 Pape-Clément      95 Pkt
2011 Smith Haut Lafitte     95 Pkt
2011 Fieuzal      94 Pkt
2011 Pavillon Blanc      93 Pkt
2011 Y (Yquem sec)      93 Pkt

Die besten Preis-Leistungs-Weine weiß
Fieuzal      94 Pkt
Malartic-Lagravière      92–93 Pkt
Les Hautes de Smith ( 2. Wein von Smith Haut Lafitte)    92–93 Pkt
2011 Clos Floridene      90 Pkt
2011 Haut-Bergey        90 Pkt

Die besten Süßweine 2011
Bei den Süßweinen liegen die Klassiker vorne.
2011 Yquem ist wahrscheinlich der beste Wein des Jahrgangs.
Weiters Rieussec, Suduiraut, Guiraud, Climens, De Fargues

Abschließend präsentieren sich die Weiß- und Rotweine als gut antrinkbar und verfügen über ein Reifepotenzial für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Die 2011er präsentieren sich konsistenter in ihrer Qualität als 2008 und 2012. Die einzigen wirklichen Alternativen wären ausgewählte Weine aus 1999 und 2001, die qualitativ ­ähnlich unterschätzt sind wie die 2011er.